Inspirierende Gegenüber
Das künstlerische Werk von Gisela Pferdmenges und Karl Gröning jr.
Jan Schönfelder
Abb. 1 Malereien von Gisela Pferdmenges und Karl Gröning jr. im Nachlass, 2009
Zwischen 1950 und 1961 haben Gisela Pferdmenges und Karl Gröning jr. etwa 500 Umschläge für den Rowohlt Taschenbuch Verlag gestaltet. Die bekanntesten Arbeiten sind die Umschläge der beiden Illustratoren für die rororos, die in Millionen von Exemplaren gedruckt und vertrieben wurden. Die Handschrift des Künstlerehepaares ist unverkennbar. Darüberhinaus gibt es im Werk der beiden Künstler Grafiken für die Reihe ‚Rowohlts deutsche Enzyklopädie‘ und Rowohlts Klassiker, Illustrationen und Cover für andere Verlage sowie verschiedene Zeitschriften, die Herausgabe oder Schaffung von mehreren Büchern. Diese Auftragsarbeiten stehen neben frei entwickelten Grafiken und Bildern (Abb. 1). Die Übergänge beider Bereiche sind fließend; die eigenen künstlerischen Arbeiten und die Auftragsarbeiten stehen gleichberechtigt nebeneinander und wären ohne das jeweilige Pendant weder künstlerisch noch biografisch möglich gewesen.
Kennengelernt haben sich Gisela und Karl am Hamburger Theater während der Ausbildung des Juniors von 1938 bis 1940 zum Bühnenbildner bei seinem Vater. Die Kriegsjahre verbringen beide getrennt; Karl jr. von 1941 bis 1945 im Russlandfeldzug, Gisela als Kostümbildnerin in Königsberg, sie heiraten 1944.
Das Vorbild des Vaters
Schon vor der Arbeit für Rowohlt arbeiten beide zusammen auf der und für die Theaterbühne. Dort ist es das geschriebene Wort, das durch Kostüme und Schauspiel, Bühnenbild, Inszenierung und Dramaturgie zum Leben erweckt wird. Ein Übersetzungsvorgang durch viele Beteiligte. In der Arbeit der Covergestaltung finden sich ähnliche Arbeitsvorgänge wieder, wie in der Inszenierung eines vorgegebenen Inhalts. Die Arbeit wird jedoch nicht mehr durch viele geleistet, sondern durch ein oder zwei Personen, die über die Inszenierung des Inhalts durch Dramaturgie und Bühnenbild auch Regie führen. Es finden sich deutliche Parallelen zwischen der Arbeit von Bühnenbildner und Dramaturg. Rolf Italiaander in Würdigung von Karl Gröning sen.: „Wenn man Dramatiker ist, einen Dramenstoff findet und ihn schließlich ausarbeitet, hat man auch sogleich eine Vorstellung vom Bühnenbild. Viele Dramatiker zeichnen sich selber ein Bühnenbild, das sie neben ihrem Manuskript liegen haben [...]. Wenn ich selber dramatisch gearbeitet habe, war ich im Geiste immer mehr mit dem Bühnenbildner als mit dem Regisseur verbunden.“ Das Bühnenbild orientiert sich am Stück, die Wahl der stilbildenden Mittel ist ein eigener künstlerischer Akt. Karl Gröning sen., der Ausbilder von Karl jr. als auch Gisela Pferdmenges war, wusste dieses Nebeneinander der dienenden und eigenmächtigen Funktion des Bühnenbildes zu transportieren.